Idyllen und andere Stolpersteine

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Monika Böss

„Grandios, die Landschaft. Berge, Schluchten, der Fluss.

Der Bahnhof, ein Provisorium. Tote Gleise. Staubige Rosen.“

Was auf den ersten Blick wie eine ländliche Idylle anmutet, wird im nächsten Moment ins Gegenteil verkehrt. Auf die verträumte Ansicht landschaftlicher Idylle fällt ein düsterer Schatten.

15 Erzählungen offenbaren uns die andere Seite so manchen Familienglücks und so mancher kleinbürgerlichen Siedlungsromantik. In kurzen Momentaufnahmen zeigt Monika Böss die enttäuschten Hoffnungen und Lebenslügen ihrer Protagonisten auf. Mühelos verbindet sie die Themen Heimat, Beziehung, Älterwerden und Vergänglichkeit. In der ihr eigenen Sprache schafft sie eine eindringliche Stimmung, in der sie das Bröckeln der heiteren Fassade ländlicher (und menschlicher!) Idyllen erzählt. Gleichzeitig kann dieses Zerbröckeln aber auch Abschied und Neubeginn bedeuten.

ISBN 978-3-942291-12-5, Hardcover, 128 Seiten (2010)

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Die Autorin: Die gebürtige Bingerin Monika Böss, Jg. 1950, erhielt 2003 und 2005 den Kulturpreis des Landkreises Mainz-Bingen für zwei ihrer Kurzgeschichten und 2003 den Martha-Saalfeld-Preis des Landes Rheinland-Pfalz für ihren Roman „Marvins Bräute“. Idylle als Stolperstein Janina Plato: Monika Böss‘ Kurzgeschichten über Lebenslügen, Ehebrecher und Gewalt Idylle ist subjektiv. Und sie trügt. Spielen sich doch in scheinbar harmlosen Schrebergarten-Kolonien ehebrecherische Szenen ab – Parzelle an Parzelle befriedigt man seine Lüste im Märchenwald aus Gartenzwergen mit roten Zipfelmützen. Das ist die Welt, wie sie Monika Böss in ihrem neuesten Werk „Idyllen und andere Stolpersteine“ schildert. In 15 Kurzgeschichten führt die gebürtige Bingerin den Leser in das Reich der scheinbar heilen Beziehungen, äußerlichen Ruhe und Biedermeierseligkeit ein. Der kurze Blick hinter die Kulissen von Karl, Ute, Agnes und Co. zeigt jedoch das wahre Leben. Dorfschlampen tummeln sich in den Wirtshäusern, tragische Unfälle ereignen sich beim Holzhacken und kriminelle Machenschaften sorgen für Aufruhr auf dem Land. Mal ist es skurril, mal tragisch, zuweilen klischeebehaftet, dann wieder bedacht und nachdenklich. Die 60-jährige Autorin gewährt kurze Einblicke in sich zuspitzende Geschehnisse oder streift den Alltag ihrer Protagonisten – ein gewisser Hang zur Morbidität lässt sich nicht leugnen. Meist ist es der Sexualtrieb, der Männlein und Weiblein ihre guten Vorsätze vergessen lässt und den Partner alleingelassen in den Suizid stürzt. Trotz des oft gleichen Musters schildert jede Kurzgeschichte eine ganz eigene Welt, spielt zu einer anderen Zeit, jongliert mit Namen, Eindrücken, Gedanken und Erinnerungen. Einmal trifft der allmorgendlich schwimmende Rentner im Chlorbad auf seine Jugendliebe, ein anderes Mal werden die Lebenslügen einer Schriftstellerin aufgerollt. Kulisse sind in der Regel die für ihre Figuren klassischen Idyllen: Wälder, eine alte Mühle, das Heimatmuseum im Ort, Häkelkissengruften im Wohnzimmer, Stadtrandvillen und Spießbürger-Häuser. Böss‘ Sprache ist geprägt von meist kurzen Sätzen, wenig Scheu vor klaren Aussagen, vielen Details und dem leichten Hang zum Träumen. Der unattraktive Bucheinband lässt leider auf weniger hoffen. Beerentöne und pastelliges Grün erwecken den Eindruck einer Gedichtsammlung der Urgroßmutter – dabei ist das, was den Leser im Innern erwartet, wesentlich frischer und näher am Geist der Zeit. Die Geschichten erzählen von der SMS-Generation, der Nachkriegszeit und den Kartoffelbauern. Schnell ist der Wechsel von zusammengewürfelten Schicksalen, den verworrenen Existenzen, den Testosteron strotzenden Männern, der Lebens- und Liebessüchte. Blasmusik und Hausfrauentum jagen Kindheitserinnerungen, waldige Einöde folgt auf liebliche Landschaften. Am Ende ist klar: Unterm Rollrasen und im Scheunengebälk tobt eben doch das Leben. Tanzt der Bär. Allgemeine Zeitung, 15. Dezember 2010

Preis: € 0.00

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