Aus dem “Mainzer Fastnachts-ABC”: Aschermittwoch

Geldbeutelwäsche

Die Geldbeutelwäsche

Allgemeine Bezeichnung für den 46. Tag vor dem Ostersonntag, den Mittwoch vor dem ersten Fastensonntag. In der Nacht zum Aschermittwoch endet im Allgemeinen die Fastnachtszeit. Vielerorts ist der Abschied vom Fest mit karnevalistischen Ritualen wie dem Ertränken, Verbrennen oder Begraben der Fastnacht, oft in Gestalt einer Puppe, verbunden. Aschermittwochsbräuche wie das >Geldbeutelwaschen oder >Heringsessen sind meist jüngeren Datums.

Für den streng gläubigen Christen markiert der Aschermittwoch den Beginn des vierzigtägigen Osterfastens und soll an die vierzig Tage erinnern, die Jesus fastend und betend in der Wüste war. Seinen Namen verdankt der Tag dem Brauch, Palmzweige des Vorjahres zu verbrennen und mit der gesegneten Asche, Symbol für die Vergänglichkeit alles Irdischen, ein Kreuz auf die Stirn der Gläubigen zu zeichnen.

Nicht immer war am Aschermittwoch Schluss mit der Fastnacht. Im Mittelalter war dieser Tag auch in Mainz mehr Feier- als Bußtag und die närrischen Feiern schleppten sich oft noch viele Tage länger dahin. Vor allem die Metzger, die während der eigentlichen Fastnacht viel zu tun hatten, nutzten den Aschermittwoch gern zu öffentlichen Feiern. Spätestens mit der Aufklärung aber und der damit verbundenen eingeschränkten Feierzeit waren öffentliche Besäufnisse am Aschermittwoch tabu und man zog sich zum Feiern zurück. Als >Schlorum wurden die närrischen Nachfeiern deklariert, manches >Heringsessen von Mainzer Stammtischvereinen genutzt, um noch einmal eine kleine Sitzung mit Vorträgen und Liedern zu veranstalten. So gab es im 19.Jahrhundert immer wieder Aschermittwochsfeiern. Heute haben die Veranstaltungen am Aschermittwoch weniger Feiercharakter, blickt man doch an diesem Tag in gemeinsamer Runde gern auf die vergangene >Kampagne zurück.

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 ISBN 978-3-942291-10-1, 220 Seiten, 69 farbige Abb., Hardcover, 19,95 Euro

Aus dem “Mainzer Fastnachts-ABC”: Schwellkopp

Mainz.Schwellkopp 1

Die dicken Köpfe aus Pappmaché, Schwellköpp heißen sie in Mainz, gehören längst zur Stadt wie der Dom und der Rhein. Umgangsriesen nennt sie die Wissenschaft. Schon Ende des 14. Jahrhunderts waren erste Großköpfe in Europa aufgetaucht. Damals dienten sie zur Illustration biblischer Geschichte, verkörperten während der Fronleichnamsprozessionen Gestalten wie Goliath, Samson oder Christopherus. Schließlich aber verboten Staat und Kirche ihren Umgang. Doch je brutaler man den Figuren an den Kragen ging, je mehr gewann das Volk seine Helden lieb. Statt im kirchlichen Rahmen lebten sie jetzt als Figuren bei historischen Umzügen und der Fastnacht wieder auf.

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ISBN 978-3-942291-10-1, 220 Seiten, 69 farbige Abb., Hardcover, 19,95 Euro

Aus dem “Mainzer Fastnachts-ABC”: Elf

Elferrat am Fastnachtsbrunnen

Die Eins neben der Eins, welche die Gleichheit aller Narren symbolisieren soll, gilt heute unstrittig als die Narrenzahl. So ist der elfte Tag im elften Monat des Jahres gewöhnlich Auftakt zu einer neuen närrischen Runde. Elferräte regieren die Sitzungsfastnachter. Maskenzüge starten nicht zur vollen Stunde, sondern elf Minuten später. Elf Paragraphen hat das närrische Grundgesetz, das die Mainzer Jahr für Jahr am elften Tag des elften Monats verkünden. Und verrückt gibt sich inzwischen auch die Wirtschaft, die viele Ihrer Preise an den tollen Tagen der närrischen Mode anpasst.

Sprachlich hat sich die Elf aus dem althochdeutschen Wort „einlif“ entwickelt, was „eins darüber“ heißt, eins über zehn also. Zwischen der Zehn, die an die Zehn Gebote mahnte, und der Zwölf, die an die zwölf Apostel erinnerte, verwies die Elf im christlichen Verständnis auf das Kommen des Antichristen, auf Weltuntergang und Jüngstes Gericht. Als Primzahl, die nur durch sich selbst oder eins teilbar ist, bildet sie zusammen mit der Zahl Dreizehn, die allgemein als Unglückszahl gilt, einen sogenannten Primzwilling. Negative Bedeutung hatte die Elf übrigens im Mittelalter in ganz Europa. So war die Doppel-Eins bei vielen Würfelspielen ein Verlustwurf.

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Aus dem “Mainzer Fastnachts-ABC”: Weiberfastnacht

Mainz.Schminken

Im Rheinland, zunehmend aber auch in Mainz gebrauchte Bezeichnung für den Donnerstag vor >Aschermittwoch. Die Weiberfastnacht gilt inzwischen auch in Mainz als eigentlicher Start in die tollen Tage. Sie wurzelt in den Weiberzechen des Mittelalters, die auch als „Jungfernfastnachten” bekannt waren. Ausgelassene Fastnachtsfeiern gab es lange Zeit auch in den Klöstern. So weiß ein päpstlicher Nuntius 1570 aus einem Mainzer Frauenkloster „von vollen Tafeln und lustigen Tänzen“ zu berichten.

Als Geburtsort der modernen Weiberfastnacht gilt der Bonner Vorort Beuel. Dort hatten sich 1824 die örtlichen Waschfrauen zu einem närrischen Kaffeekränzchen getroffen und damit den Herren im benachbarten Köln, die ein Jahr vorher erstmals in organisierter Form Karneval feierten, gezeigt, dass Feiern und Fröhlichsein nicht nur Männersache sein kann. In Mainz war die Weiberfastnacht fast immer auf >Maskenbälle oder Wirtshausfastnachten beschränkt. Erst seit den letzten Jahren wird die Weiberfastnacht auch in Mainz auf der Straße gefeiert, gibt es in der Innenstadt eine närrische Partyzone.

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ISBN 978-3-942291-10-1, 220 Seiten, 69 farbige Abb., Hardcover, 19,95 Euro

Aus dem “Mainzer Fastnachts-ABC”: Die Büttenrede

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Adi Guckelsberger im Eulenfass

Zu den wichtigsten Bestandteilen der >Saalfastnacht gehört die Büttenrede, die – auswendig vorgetragen oder vom Blatt abgelesen – auf das närrische >Rügerecht zurückgeht. Die Präsentatoren einer Büttenrede heißen Büttenredner oder Büttenrednerin. Ihren Namen verdankt die Büttenrede der >Bütt’.

Immer wieder machte man sich in Mainz Gedanken, wie eine gute Büttenrede auszusehen hat. „Das Wesen dieser Narrenreden ist immer dasselbe; je mehr Scherze, je mehr Localwitze, je mehr leichter Humor, je mehr populäre Laune, umso besser; aber um Gotteswillen nichts Langweiliges, nichts Ernstes, nichts Gelehrtes, nichts Gezwungenes, keinen Schwulst, keine greifbare Unsittlichkeit, keine Privat-Malicen. Man verzeiht dir lieber eine schlechte Rede, als eine frivole; man hört lieber eine Dummheit an, als eine Langweiligkeit“, schrieb Eduard Reis Ende 1841 in seinem Buch „Silhouetten und Genrebilder“ über die Mainzer Büttenrede. „Nur darf die Spitze beim Büttenredner nicht auf die Spitze getrieben werden. Sonst wird sie zu spitz und eignet sich wohl zum politisch-satirischen Pamphlet, aber nicht zum närrischen Poem, daß nur mit der Pritsche, nicht mit der Geißel hantieren soll. Aus der Bütt’ soll Frohsinn verbreitet und nicht Gift und Galle gespien werden“, meinte eine Mainzer Zeitung Mitte der 1920er-Jahre.

Bis heute gibt es allerdings keine verbindlichen Vorschriften, wie eine Büttenrede auszusehen hat, welche Themen sie ansprechen und welche sie weglassen soll. Allgemein ist man in Mainz der Ansicht, dass es heute eigentlich kaum noch Tabu-Themen gibt. Allerdings sollte jeder Akteur seine närrische Kritik so formulieren, dass auch der Angegriffene im besten Fall noch darüber lachen kann. Formal können Büttenreden in Hochdeutsch, wie in den Anfangsjahren der organisierten Mainzer Fastnacht, oder, wie heute häufig, im Dialekt gehalten werden, in Prosa oder Versform. Früher wurde vor allem der Paarreim favorisiert, unter dem Einfluss der Stand-Up-Comedians aber setzten sich in den letzten Jahren immer mehr Prosavorträge durch.

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Gerster_Bombenstimmung_Leseprobe_Seite 15-24