Weihnachtliche Kolumne von Bernadette Heim

Wer kennt das nicht? Die brennende Neugier, was denn der Liebste dieses Jahr zu Weihnachten schenken wird. Bernadette Heim hat hierzu eine humorvolle Kolumne geschrieben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen! 

Bernadette_Heim

Die gebürtige Bingerin Bernadette Heim, Jg. 1958, hat schon als Kind gerne geschrieben. Inzwischen hat sie als Journalistin ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Pfanne oder Socke? 

Ich komme mir ein bisschen vor, wie zu meiner Kinderzeit. Nicht weil es in der Küche so gut nach Plätzchen duftet. Ich habe überhaupt keine Zeit zu backen, weil ich meine Zeit damit vertue, sämtliche Geheimverstecke zu inspizieren. Ich bin, wie damals als Kind, auf der Suche nach meinem Weihnachtsgeschenk. Nicht dass Sie glauben, ich hätte meine Geschenke so gut versteckt, dass ich sie nicht mehr finden könnte. Nein, das ist es nicht. Ich bin vielmehr auf der Suche nach dem Weihnachtsgeschenk. Sie wissen schon. Irgendwie komme ich von dem Gedanken nicht los, dass ich dieses Pfannen-Set zu Weihnachten bekommen soll.
Was denkt sich der Mann nur dabei? Das kann doch nicht sein Ernst sein! Wenn er das tut, dann schenke ich ihm Socken. Basta! Soll er doch dumm aus der Wäsche gucken. Ich jedenfalls möchte keine Bratpfanne haben. Ich mache zur Ablenkung Gehirn-Jogging. Pfanne, heiß, Feuer, fällt mir da ein. Das Feuer-Element entfacht Leidenschaft, habe ich bei Feng-Shui gelernt. Oh ja, in mir brodelt so eine Leidenschaft. Man könnte sie auch mit Zorn, Ärger oder gar Wut beschreiben. Er sammelt nämlich seit Neuestem auch noch Rabattmärkchen. Wie Mutti früher. Er hat noch nie Rabattmarken gesammelt, und in mir keimt die Erkenntnis, dass er vielleicht auch noch auf diese Weise Geld sparen möchte. Das stelle man sich mal vor. Ein Weihnachtsgeschenk für die Liebste, für die treusorgende Ehefrau, finanziert mit Rabattmarken. Nicht auszudenken.
Hoffentlich denkt er wenigstens daran, dass ich ein Induktionskochfeld habe, und kauft die richtige Pfanne … Was ist denn mit mir los? Ich denke doch nicht ernsthaft darüber nach, dass ich die Pfanne bekomme. So weit ist es schon mit mir. Weihnachten wird zum Albtraum, wenn das so weitergeht. Ich schlage eine Zeitschrift auf und lese: „Freuen Sie sich! Einkaufs-Gutscheine für Ihr Fest“, steht da, und darunter sind neben Dekorationsartikeln, Fotoalben, Duftwässern, ja, Sie ahnen es, auch Pfannen abgebildet. Meine Weihnachtsvorbereitungen geraten ins Stocken, weil ich an nichts anderes als an Pfannen denken kann.
Ich werde es wohl direkter angehen müssen. Ich bin bei meiner Suche nicht fündig geworden. Gefunden habe ich ein Kochbuch für Anfänger. „Kulinarische Blitzrezepte, im Handumdrehen selbst gemacht“, lese ich da. Er wird doch wohl nicht … Ertappt. Mein Schatz steht hinter mir und schaut mich mit vorwurfsvollem Blick an. „Du machst es einem schwer, dir eine Freude zu machen. Jetzt weißt du es, ich wollte dich zu Weihnachten mit einem Menu überraschen”, sagt er und lässt mich stehen. Vermasselt, denke ich, ich habe ihm und mir die Weihnachtsüberraschung gründlich vermasselt. Und irgendwie komme ich mir tatsächlich vor wie das kleine Kind, das am 1. Advent sämtliche Schokoladenteile aus dem Adventskalender aufgegessen hat.   

Die Kolumne stammt aus ihrem Buch Socken, die von Herzen kommen.

Lust auf mehr weihnachtliche Kolumnen? Dann könnte Bernadette Heims neuestes Buch Und täglich grüßt der Weihnachtsmann auch etwas für Sie sein!

 

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